4 Der Kontext 1: Die Renaissance-Übersetzungen von Pseudo-Proklos’ Sphaera

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4.1 Die Analyse der Hauptübersetzung von Thomas Linacre

In Paris wird Linacres Sphaera um 1508–1516 gedruckt, weil der Drucker Gilles de Gourmond (geb. ?) aldinische Ausgaben als Vorlage verwendet, neben Pseudo-Proklos’ Sphaera (Venedig, 1499) auch die Spruchsammlung gnostischer Dichter und Hesiods Werke und Tage (Paris, 1507; Venedig, 1495).1 Thomas Linacre ist ein bekannter englischer Arzt und Gelehrter, der den Humanismus in England einführt,2 und einer der führenden Griechischkenner seiner Zeit. Über Linacres Leben ist bekannt, dass er in Canterbury geboren ist, wo er die Kathedralschule besucht und sich für die alten Sprachen begeistert. Ab 1481 studiert er in Oxford, bricht aber 1487 mit seinem Lehrer aus Canterbury, William Sellyng oder Celling (†1494), nach Italien auf, der auf Botschaft zum Papst geschickt wird. Im Anschluss besucht Linacre zahlreiche Städte. Um 1489–1490 hält sich Linacre in Florenz auf, um bei den Lehrern Angelo Poliziano (auch Angelo Ambrogini, 1454–1494) und Demetrios Chalcondylas (1423–1511) seine Griechischkenntnisse zu vervollkommnen. In den folgenden Jahren 1490–1491 geht er nach Rom, wo er dem Drucker Aldus Manutius (1449–1515)3 begegnet. Dieser druckt griechische Autoren im Original, darunter Aristoteles, Platon und die poetischen Werke des Homer und Hesiod u. a. sowie medizinische Werke des Dioskorides (1. Jh. n. Chr.) und des Nikander (197–170 v. Chr.). Für Manutius ist Griechisch unersetzlich für die lateinische Gelehrsamkeit.4 Die Drucker in Venedig tragen dazu bei, dass Texte (und welche) in Gelehrtenkreisen neu bekannt und welche Themen diskutiert werden, z. B. die Korrektur kosmologischer Modelle.5

In der Zeit von 1497 bis 1499 hilft Linacre bei der Herausgabe der fünfbändigen griechischen Ausgabe von Aristoteles’ Opera omnia, und im Gegenzug gibt Manutius im Jahre 1499 Pseudo-Proklos’ Sphaera heraus. Im Vorwort nämlich zum zweiten Band seiner Aristoteles-Ausgabe erwähnt Manutius den Linacre als Korrektor des griechischen Textes: „Und besonders in Venedig Thomas der Engländer, ein Mann, der im Griechischen wie im Lateinischen höchst fähig ist und ausgezeichnet in den Disziplinen aller Bereiche des Lernens.“6 Zwischenzeitlich absolviert Linacre ein Medizinstudium in Padua (1492–1496) und setzt 1498 seinen Kontakt zu Manutius fort, indem er ab November 1498 Mitglied in der von Manutius gegründeten Νεακαδημία („Neakademia“) in Venedig wird, einer wissenschaftlichen Gesellschaft zur Pflege der griechischen Sprache und Literatur.

Im August 1499 endet Linacres Italienaufenthalt und er nimmt in London eine Stelle als Tutor des jungen Prinzen Arthur Tudor von Wales an,7 des ältesten Sohnes aus der Verbindung von König Heinrich VII. (1457–1509) mit Elizabeth von York. Diese Tutorstelle hat, wie aus einem Brief des Erasmus hervorgeht, seit 1496 bereits der Franzose Bernard André (1455–1522) inne,8 der gegenüber König Henry aus Konkurrenzneid behauptet, Linacre habe eine frühere Variante der Sphaera plagiiert.9 Erasmus folgert aus Andrés Anschuldigung, dass Linacre eine schlechtere Übersetzung der Sphaera durch seine eigene Übersetzung ersetzt habe.10 Damit könnte er nur Vallas Übersetzung meinen, die vor Linacres Übersetzung entstanden ist. Die Richtigkeit dieser Behauptung ist allerdings unklar. Auch wenn die Existenz einer solchen Sphaera unsicher ist, zeigt diese Anekdote, dass Proklos’ Autorschaft der Sphaera bereits vor ihrem ersten Druck angezweifelt wird. Bei André erhält Arthur eine klassische Ausbildung, indem er 25 antike Autoren auswendig lernt oder liest, z. B. Cicero, Homer, Caesar, Ovid, Tacitus und Vergil;11 André schreibt auch fiktive Reden für den Prinzen, in denen sich Botschafter aus der Antike an Arthur wenden.

Arthur stirbt frühzeitig im Jahre 1502 mit 15 Jahren an einer Epidemie, wobei die Gerüchte von Tuberkulose über Pest zu Schweißfieber oder Hodenkrebs reichen.12 Im Jahre 1499 begegnet Linacre in London dem niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam, dessen Arzt und Freund er wird.13 Da Erasmus die höchste Meinung von Linacres Fähigkeiten hat, tadelt er, dass Linacre nichts mehr veröffentlicht. Zu Linacres gelehrten Bekanntschaften gehören auch die englischen Reformanhänger Thomas Lupset und William Grocyn, ebenso wie der berühmte Thomas Morus. Lupset ist Griechischlehrer am neuen Corpus-Christi-College in Oxford14 und an der Universität Oxford, wo er für seinen Unterricht Linacres Übersetzung von Pseudo-Proklos’ Sphaera verwendet.15 Er ist der mögliche Herausgeber der Londoner Ausgabe (1522) von Linacres Übersetzung bei Richard Pynson (1448–1529), die stilistische und terminologische Revisionen enthält.16

Um das Jahr 1500 gründet Linacre eine Arztpraxis in London, zu deren Patienten Arthurs Bruder Heinrich VIII. (1491–1547) und Prinzessin Mary I. Tudor von England (1516–1558) gehören. Linacre übernimmt die Aufgabe, den Status der Medizin in England zu heben. So gründet er 1518 mit der Unterstützung von Henry VIII. und Cardinal Wolsey das medizinische Royal College of Physicians in London, dessen Präsident er bis zu seinem Tod bleibt. Später lehrt Linacre in seinem medizinischen Unterricht über die Meteorologica und über die Auswirkungen der Himmels- und Wetterphänomene auf den menschlichen Körper.17

1520 beendet Linacre seine Tätigkeit, um katholischer Priester zu werden, und spendet sein Vermögen für die Errichtung von Griechisch-Lehrstühlen in Cambridge und Oxford. Linacres Übersetzungen, die bei Manutius gedruckt werden, streben die Verbreitung der Griechischkenntnisse an, damit künftige Ärzte Galen im Original lesen können. Durch seine Übersetzungen von Galens Werken ins Lateinische und andere Schriften leistet Linacre einen bedeutenden Beitrag für die Medizin.18 In seinem Engagement für den Griechischunterricht bringt er auch grammatikalische Werke hervor wie die Progymnasmata grammatices vulgaria (London, 1515), die Rudimenta grammatices (London, 1523) und De emendata structura Latini sermonis (London, 1524); das letzte Werk wird für Grammatikvorlesungen mit Beispielen zur Syntax und Sprachfiguren besonders von Cicero in den Oxforder Statuten von 1564/5 und 1636 erwähnt.19

4.1.1 Die Erstausgabe

Die Sphaera ist Linacres erste Veröffentlichung und wird 1499 bei Aldus Manutius in Venedig gedruckt. Des Weiteren gibt Manutius griechische und lateinische Autoren und Humanisten wie Pietro Bembo (1470–1547) und Francesco Petrarca im kleinen, günstigen Format, ähnlich dem Oktav, und in den von ihm erfundenen aldinischen Typen (heutige Antiqua), heraus. Er ist der erste Drucker in griechischen Lettern (ab 1494) und der Erfinder der aldinischen Typen. In Manutius’ Haus bzw. Akademie trifft sich ein gelehrter Kreis, der die Redaktion der Drucke übernimmt.20 Zur gleichen Zeit arbeitet Linacre an einer Übersetzung von Simplicius’ (um 480/490–nach 550) Kommentaren zur Physica und Meteorologica des Aristoteles, die nie gedruckt werden, aber ursprünglich die Sphaera begleiten sollen, wie der Drucker Aldus Manitius in seinem Widmungsbrief zur Sphaera schreibt: „Hätte er [Linacre] mir doch auch Simplicius’ [Kommentar] zu Aristoteles’ Physik und Alexander [von Aphrodisias’ Kommentar (um 200 n. Chr.)] zur Meteorologica desselben [Aristoteles] gegeben, die er nun mit größter Sorgfalt auf Latein übersetzte, damit ich dir jene zusammen mit Proklos’ [Sphaera] schicken könnte.“21 Die Simplicius- und Alexander-Kommentare sind wohl für den jungen Prinzen Arthur zu komplex oder Linacre kann sie nicht rechtzeitig vollenden, so dass sie nicht gedruckt werden. Die Meteora werden bereits 1492 von Giovanni (Schaffenszeit 1482–1503) und Gregorio (Schaffenszeit 1496–1527) de’ Gregori in Venedig in der Übersetzung des Wilhelm von Moerbeke gedruckt. Linacre will also die scholastische Übersetzung durch eine humanistische lateinische Übersetzung ersetzen, wie schon Erasmus in der Widmung sagt.

Die Sphaera ist Linacres Karrierestart und thematische Ausnahme in seinem Werk, da Linacre kein Astronom ist, sondern ein Griechisch- und Medizingelehrter. Er orientiert sich wohl bei der Textauswahl an dem Bedarf der Curricula nach elementarer Kosmologie. Der Druck der Widmung an Arthur in mehreren Ländern zeigt, dass diese Widmung für die Legitimation der Linacre-Sphaera in Europa eingesetzt wird. Linacres Sphaera-Übersetzung erscheint in einer Sammlung mit anderen antiken astronomischen Schriften unter dem Titel „Alte astronomische Schriftsteller“ (Scriptores Astronomici Veteres). Diese Sammlung enthält die beiden lateinischen Lehrgedichte Astronomica des Marcus Manilius und des Julius Firmicus Maternus (4. Jh. n. Chr.), das griechische Gedicht über die Himmelskonstellationen, die Phaenomena des Arat, sowie antike Kommentare und Übersetzungen zu Arats Gedicht, darunter die lateinische Übersetzung von Caesar Germanicus.22 Arat beschreibt in den Phaenomena in 1.154 hexametrischen Versen den Sternenhimmel anhand der Lehre des Eudoxos von Knidos und veranschaulicht seine Darstellung durch Sternsagen. Mit Arats Text hat Pseudo-Proklos’ Sphaera die Definition der Achse und der Pole, die Bärinnen (V. 22–23) und viele Sternbilder gemeinsam und bildet dadurch mit ihm eine Einheit.23 Am Ende des Arat-Textes steht ein kurzes Kapitel mit dem Titel „Wozu man diese Sphäre braucht“ (Πῶς δεῖ ἴσταν σφαῖραν), das den Sphaera-Text als Beschreibung von Sitz und Bewegung der (Armillar-)Sphäre (διάθεσις καὶ κίνησις τῆς σφαίρας) zusammenfasst und Parallelstellen bei Homer, Arat und Hesiod nennt (Bl. 312r–v). Es folgt die Inhaltsangabe der einzelnen Kapitel der Sphaera (Διαίρεσις τῆς σφαίρας, Bl. 213v).

Die Hinzufügung von Pseudo-Proklos ist nicht geplant und geschieht kurzfristig, wie aus der Widmung des Aldus Manutius an Graf Alberto Pio von Carpi hervorgeht, der Manutius’ Schüler und sein lebenslanger Gönner ist.24 „Nachdem ich also in den letzten Tagen den Druck von Arats Phaenomena und Theons Erzählung besorgt hatte, beschloss ich, diesen [Texten] Proklos’ Sphaera beizugeben, und umso mehr, da Thomas Linacre aus England sie gelehrt und elegant aus dem Lateinischen übersetzt und mir geschickt hat, damit ich sie mit meinen Typen drucke.“25 Ein Beweis der Zusammenarbeit von England und Venedig ist die Bibliothek mit den venezianischen Beständen des Corpus-Christi-Colleges in Oxford, das 1516 von Richard Fox gegründet worden ist und eine Ausbildung in Latein, Griechisch und Hebräisch anbietet. Manutius wünscht sich in seiner Widmung zur Sphaera eine Versöhnung zwischen Italien und dem barbarischen England, das für Universitätsakademismus, also ein grobes Latein und eine starre Erklärung der klassischen Texte, steht.26

Linacre selbst scheint bereits zu wissen, dass seine Übersetzung mit Caesar Germanicus’ Aratübersetzung erscheinen wird, da er sie in seiner Übersetzung zitiert: eosdem [versos] antea a Germanico Caesare [...] factos.27 Spätere Ausgaben enthalten das Zitat nicht mehr. Linacres Übersetzung wird um die Mitte des Jahres 1499 in den Sammeldruck integriert. Linacre mag die Übersetzung in Italien begonnen haben, wo er sich zwischen 1487–1499 aufhält, und die Übersetzung nach seiner Rückkehr nach England fertiggestellt haben.28 Dies geht aus dem Widmungsbrief von Linacres Studienfreund William Grocyn an Manutius hervor: „Mein bester Freund ist neulich nach Britannien zurückgekehrt und auch deiner, kultiviertester Aldus: Thomas Linacre.“29

Die griechische Handschrift, die Linacre für seine Übersetzung verwendet, ist verloren, muss sich aber unter einer Fülle anderer griechischer Handschriften befunden haben, die Linacre aus Italien, v. a. aus Venedig, besitzt.30 Sie trägt wohl bereits den Titel Proklou Sphaira, da andere erhaltene Handschriften dieser Handschriftenfamilie denselben Titel besitzen (Paris, Grec. 2489 und 2317).31 Jedenfalls stimmt der griechische Sphaera-Text in der Erstausgabe nicht mit Linacres Übersetzung überein. Linacre übersetzt in Kap. 3, dass zwischen den beiden Wendekreisen „zweimal 192“ Sonnenkreise zurückgelegt werden – im griechischen Text sind es richtigerweise nur „zweimal 180“ (ρπ δὶς). Dieser Fehler wird in der Baseler Ausgabe von 1523 korrigiert. Zudem gibt es im griechischen Text der Erstausgabe zahlreiche Auslassungen, nämlich fehlt in Kap. 10 zum Tierkreis „er schneidet den Äquator zweimal im ersten Grad des Krebses“ (τὸν δ ἰσημερινὸν δίχα τέμνει κατὰ τοῦ Κριοῦ α μοῖραν). Auch einige der nördlichen Sternzeichen, die Linacres Übersetzung enthält, werden ausgelassen: ἐνγόνασιν, ὀφιοῦχος, ὄφις, λύρα, ὄρνις (Engonasin, Serpentarius, Serpens, Lyra, Avis). Diese Sternzeichen werden in der Baseler Ausgabe von 1523 ergänzt. Die Ausgabe von Christian Wechel (†1554; Paris, 1531) korrigiert den Fehler, dass der Stern Canopus in Alexandria ganz unsichtbar (ἀφανής) sei, in Wirklichkeit aber ganz sichtbar (ἐμφανής oder ἀναφανής). Auch in Kapitel 8 (ab 1523: 7) über die Macht der Parallelkreise wird ein Satz über die Äquinoktien ausgelassen, wogegen andere Übersetzungen, die vom Griechischen ausgehen und offenbar eine andere Handschrift verwenden als Linacre, den Satz enthalten. Auch werden die Satzzeichen im griechischen Text häufig unlogisch gesetzt und der Text enthält einige Schreibfehler,32 was dem übereilten Druck geschuldet sein muss.33

Die Erstausgabe enthält drei Widmungen zur Sphaera, was die hohe Würdigung dieses Werkes unterstreicht. An erster Stelle steht ein Brief des Aldus Manutius an Graf Alberto Pio von Carpi, Manutius’ Schüler und wie Linacre ein Mitglied der Aldinischen Akademie, demnach vertraut mit Manutius’ herausgeberischer Tätigkeit.34 Manutius hat Linacre schon in einem früheren Widmungsbrief (Februar 1497) an Alberto Pio zur Aristoteles-Ausgabe, Band 2, erwähnt, wo Linacre als Zeuge für die Sorgfalt dieser Ausgabe herangezogen wird: „Und besonders in Venedig Thomas der Engländer, ein des Griechischen und Lateinischen überaus mächtiger und in der Wissenschaft aller Lehren ausgezeichneter Mann“ (et praecipue Venetiis Thomas Anglicus, homo et Graece et Latine peritissimus praecellensque in doctrinarum omnium disciplina).35 Manutius verhilft Erasmus zu seiner Bekanntheit durch sein gelehrtes Umfeld und den Druck erasmischer Werke. 36

Auch in dieser Widmung empfiehlt Manutius dem Prinzen die linacrische Übersetzung mit den wärmsten Worten: Linacre sei „ein Mann von schärfstem Urteil“ (acri vir iudicio) und „dir in höchster Vertrautheit verbunden“ (summa tibi familiaritate coniuncto). Ein humanistischer Topos ist das Lob der docta eloquentia („gelehrte Beredsamkeit“), das Manutius viermal formuliert: „lasst uns die gelehrtes Latein sprechenden schönen Künste aufnehmen“ (latine et docte loquentes bonas artis accipiamus); „ich, der ich die Latinität und die Beredsamkeit bewundere“ (Ego latinitatem et eloquentiam admiratus); „er [der Humanist William Grocyn] gab mir nämlich einen gelehrten und eleganten Brief“ (doctam quidem et elegantem dedit epistolam). Außerdem bewertet er Linacres Übersetzung als docte et eleganter („gelehrt und elegant“). Im Gegensatz dazu stehen die Formulierungen „unkultiviert und ungebildet“ (barbarae et indoctae) und „unfähig“ (inepte), die sich auf das mittelalterliche, ungeschliffene Latein der Scholastiker beziehen. Dazu nennt Manutius auch das griechische Sprichwort: „Der alte Papagei kümmert sich nicht um den Rohrstock“ (γερόντιον γὰρ ψιττακὸς ἀμελεῖ σκυτάλην). Die Scholastiker lassen sich also nicht zu sprachlicher Eleganz im Lateinischen ermahnen.37 Orlandi bezieht den „Papagei“ auf die späten Scholastiker und Gegner des Humanismus Johannes Duns Scotus (1265–1308) und Wilhelm Ockham (1288–1347).38 Außerdem schreibt Manutius, Proklos’ Sphaera sei hervorragend als Einführung in die sphärische Astronomie geeignet (opusculum iis, qui in Astronomiam induci, atque imbui cupiunt, utilissimum), was den mathematischen Studien des Prinzen zugute kommen solle. Linacre widmet die Übersetzung dem Prinz Arthur, damit er sich mit Astronomie beschäftige.39

Manutius lobt Linacres Übersetzung, weil sie die humanistischen Werten der Gelehrtheit und Eleganz erfülle, und die Sphaera als „äußerst nützliches Lehrwerk für Anfänger der Astronomie“ (est enim opusculum iis, qui in Astronomiam induci atque imbui cupiunt, utilissimum). Die Formulierung Sphaera Astronomiam discere incipientibus utilissima erscheint in späteren Einzeldrucken von Linacres Übersetzung sogar im Titel, nämlich in den Folgedrucken von 1502, 1503, 1511 und 1526.

Der zweite Widmungsbrief ist von Linacres Landsmann und Freund (amicus meus summus, idemque tuus Alde) William Grocyn an den Drucker Aldus Manutius gewidmet. Dieses Lob auf Linacre ist Grocyns einzige Veröffentlichung, der Anfang der 1490er Jahre die Griechischstudien an der Universität von Oxford eingeführt hat und ebenfalls Beziehungen zum englischen Hof besitzt.40 Linacre und Grocyn, die englischen Kollegen des Manutius, wollen aus der Universität Oxford eine humanistische Akademie nach dem Vorbild von Guarino da Verona (1374–1460) und Vittorino da Feltre (1378–1446) machen, zu deren Programm sie offenbar auch die Sphaera zählen.41

Die dritte Widmung ist von Linacre an Prinz Arthur von Wales gerichtet.42 Linacre rechtfertigt hier seine Übersetzung von Proklos’ Sphaera in der Weise, dass sie der übrigen lateinischen Literatur zur Sphaera in England überlegen sei, ohne dies näher zu begründen.43 Sicher meint er mit der anderen Literatur Sacroboscos Sphaera. Linacre bewertet also Proklos’ Sphaera als der des Sacrobosco überlegen. Sicherlich wird die Sphaera als Gegenbild zu Sacrobosco und der scholastischen Tradition gedruckt, wie auch die antischolastische Widmung des Manutius bestätigt.

Außerdem schreibt Linacre, dass die Sphaera als „ein würdiges Werk, wenn ich mich nicht irre“ (dignum ni fallor opus) dem Prinzen bei seinen literarischen und anderen Studien helfen solle: „[Proklos’ Sphaera] wird dabei Hilfe leisten, Dichter zu lesen (womit du schon mit erstaunlich großem Erfolg angefangen hast, wie ich sehe) und zur Kenntnis des Sitzes der berühmten Orte und der Natur.“44 Mit den Dichtern (poetae) sind wohl Manilius und Arat gemeint, die ebenfalls in der Sphaera enthalten sind. Die von Manutius thematisierte Funktion der Sphaera als Einführung in die Astronomie wird hier also von Linacre als Einführung für (astronomische) Dichter erweitert.45 Auch in anderen Ausgaben von Linacres Übersetzung wird Hygin als Verständnishilfe für Gedichte wie Arats Phaenomena gelobt: ad omnium poetarum lectionem mire necessarius (Basel, 1549); Opus non Astronomiae solum, sed et Poeseos studiosis apprime utile (Heidelberg, 1589).

Generell ist die Astronomie wichtig für die Deutung alter und neuer Klassiker, wie Benedettis Analyse von Ovids Phaeton-Mythos zeigt.46 Die Dichtung (Ars poetica), ab dem Spätmittelalter „Grammatik“ genannt, gehört zur Artistenfakultät innerhalb der humanistischen Ausbildung.47 Dieser Grammatikunterricht hat einen theoretischen Teil, die Sprachlehre anhand antiker Autoren, und einen praktischen Teil, in dem antike Dichter memoriert und eigene lateinische Gedichte entworfen werden.48 Zu den Dichtern des Grammatikunterrichts gehören Homer, Lukian, Vergil, Horaz und Ovid.49

Am Schluss des Briefes wendet sich Linacre mit kindgerechten Worten, die seine Liebe zum antiken Geist zeigen, an den dreizehnjährigen Arthur: „Aber jetzt wirst du, wenn es dir beliebt, Proklos hören, als wenn er selbst spräche, auch wenn er in Griechenland ist; für dessen Horizont hat er die Sphäre beschrieben.“50 Auch in der Sphaera-Übersetzung wendet sich Linacre an Arthur, nämlich nach dem Arat-Zitat über die Teilung des Horizonts in Griechenland: „Diese [Verse] habe ich recht gerne erwähnt, liebster Arthur, damit du erkennst, dass die größten Herrscher, deren Ruhm du nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen wirst, wie ich voraussage, sich durch Studien solcher Art [Dichtung und Astronomie] erfreut haben.“51 Diese Anrede ist in anderen Übersetzungen nicht enthalten, nur im Nachdruck von Linacres Erstausgabe mit der Widmung an Arthur.52

Gleichzeitig ist die Sphaera nicht nur an den Prinzen gerichtet, sondern auch an andere Studenten: „Diese [Sphaera] sollen, berühmter Prinz, durch deine Gunst die Studenten lesen, lese auch du sie.“53 Der Prinz wird also als Mäzen bzw. als Leitfigur betrachtet und die Funktion der Sphaera als öffentliches Lehrbuch offenbart. Der einflussreiche Name des Manutius öffnet der Sphaera wohl drei Jahre später den Weg nach Deutschland.

4.1.2 Andere Ausgaben – Die Verwendung und Verbreitung der Sphaera

Von Thomas Linacres Übersetzung erscheinen bis ins 19. Jahrhundert 54 Ausgaben; es ist also die meistgedruckte Übersetzung von Pseudo-Proklos’ Sphaera.54 Im Folgenden werden einige prägnante Ausgaben erläutert:

Der zweite lateinische Druck der Sphaera nach der Erstausgabe von 1499 durch Nikolaus Marschalk (1470–1525) in Wittenberg (1502) ist Teil seines humanistischen Programms an der Universität Wittenberg, wo Marschalk die Griechischstudien bereits vor Philipp Melanchthon eingeführt hat.55 Wittenberg ist nämlich das Zentrum der Reformation und zieht protestantische Studenten an.56 1502 bringt Marschalk seine Presse von Erfurt nach Wittenberg, wo Pseudo-Proklos’ Sphaera zu seinen ersten Drucken gehört.57 Auch der nächste Wittenberger Druck von 1538 durch Josef Klug (1490–1552), der u. a. die Werke Melanchthons gedruckt hat,58 steht in einem protestantischen Kontext. Denn er enthält ein Vorwort des protestantischen Pfarrers und Globenbauers Johannes Schöner (1477–1547), der mit Martin Luther in Erfurt studiert und auf Melanchthons Empfehlung 1526 eine Mathematikprofessur am protestantischen Egidiengymnasium in Nürnberg erlangt. In seinen Prolegomena, die der Sphaera vorangestellt sind, schreibt Schöner, dass er es für die Studenten als nützlich erachte, den Gebrauch der Sphäre und die Namen der Sternbilder als Einleitung den in der Sphaera beschriebenen Sternbildern voranzustellen, da man sie sonst nur verstreut bei verschiedenen Autoren finde.59 Gewissermaßen möchte Schöner den Weg „von der Geschichte“, d.h. dem Gebrauch der Sphäre, „zu den Tempeln des Himmels“, d.h. der Beschreibung der Sphäre aufzeigen.60 In seinem Vorwort behandelt Schöner dieselben Inhalte wie die Sphaera.61 Diese Sphäre definiert Schöner als globum, id est, corpus rotundum et solidum („Globus, d.h. runder und fester Körper“). Er fügt mnemonische Verse ein, welche die Konstellationen auflisten. Als Anhang dienen Vergils Verse Ordo et nomina simulacrorum coelestium comprehensa versibus (Sternbilder) und Ex Manilio: De Ariete et caeteris signis sequentibus. Kap. IV.

Im Jahre 1535 wird die erste lateinische Übersetzung von Hygins Phaenomena durch Jakob Micyllus (Jakob Molsheym, 1503–1558) mit Linacres Übersetzung gedruckt. Micyllus ist ein Lehrer der Lateinschule in Frankfurt (auf Empfehlung Melanchthons) und Professor in Heidelberg, der mehrmals zwischen Frankfurt (1524–1533; 1536–1547) und Heidelberg (1533–1536; 1547–1558) wechselt.62

Eine zentrale Druckerfigur der Sphaera in Basel ist Johann Bebel, der die Sphaera mit textkritischen Revisionen im Jahre 1523 auf Griechisch-Latein in Basel und im selben Jahr ein griechisches Neues Testament druckt. Der Herausgeber der 1523er Ausgabe, Jacobus Ceporinus (Jakob Weisendanger; 1499–1525), spricht in seinem Vorwort zur Sphaera, die wegen ihrer Kürze allen leicht zugänglich und verständlich sei (sola brevitate facile esset omnibus commendabilis), den Leser als „jungen Studenten“ (studiose iuvenis) an. Außerdem beschreibt Ceporinus diese Sammlung mit folgenden Worten: „Also wirst du, fleißiger Student, ein kurzes Handbuch haben, aus dem du dieselben Werke als Grundlagen der Geographie und der Astronomie sowie die griechische Sprache leicht und schneller lernen kannst.“63 Die Sphaera besitzt also einen doppelten Nutzen als Lehrbuch sowohl für die Sprache als auch für die Kosmologie. Ceporinus lehrt ab 1522 Hebräisch und Griechisch in Zürich, stirbt aber wenige Monate nach seinem Antritt. Der Drucker Bebel arbeitet mit einigen anderen Baseler Druckern der Sphaera zusammen und hat diese möglicherweise beeinflusst: mit Heinrich Petri druckt Bebel 1534 eine hebräische Bibel mit der lateinischen Übersetzung von Petris Stiefvater Sebastian Münster. Eine interessante Widmung ist jene des Rhetorikprofessors in Basel (1570–1576) und Lehrers für Mathematik, Hebräisch, Griechisch, Logik und Physik in Freiburg, Marcus Hopper, an Ludwig Meier, einen „vielversprechenden jungen Mann“ (optimae spei adolescentulo) und Sohn des Junkers, Bürgermeisters und Hauptmanns Adelberg (1474–1548), in Petris Sphaera-Ausgabe (Basel, 1547). Hier dient Pseudo-Proklos’ Sphaera als Einleitung zu Kleomedes’ komplexerem Werk über die Planetenbewegungen für Studenten (studiosi adolescentes) und wird durch Arats Darstellung der Sternbilder in den Phaenomena und durch das geographische Werk De mundo des Dionysios ergänzt.64 Der Widmungsbrief von Marcus Hopper, Professor an der Universität Basel, zeigt, dass Heinrich Petri den Schreckenfuchs als privaten Tutor für einen seiner Söhne eingestellt hat.65 1536 ist Bebel zusammen mit Johann Herwagen mit dem Druck der Werke Galens beschäftigt. Herwagen d. Ä. druckt Linacres Sphaera 1549 und 1570 in Basel, zusammen mit Kommentaren und Übersetzungen des Joachim Camerarius, darunter wahrscheinlich einen 1535 verfassten Kommentar zu Pseudo-Proklos’ Sphaera. Mit Thomas Wolff (Sphaera-Druck in Basel, 1534) gibt Bebel „das Buch des Sakraments“ von Carolstadius gegen Luthers Lehre heraus. Auch Linacre druckt einige Werke bei Heinrich Petri in Basel, der im Zentrum der Zunft des Erasmus steht. 1564 heiratet Petri die Witwe des Hieronymus Froben (1528–1563), dessen Vater Johann ein Freund und Drucker des Erasmus in Basel gewesen ist. Petri setzt 1518 in Leuven die Arbeit seines Vaters fort und bleibt Erasmus treu. Nach Erasmus’ Tod gibt er 1538–1540 dessen gesammelte Werke heraus. Erasmus wohnt sogar in Johannes Frobens Haus in Basel. Die Kooperation und Freundschaft der beiden Baseler Drucker resultiert also aus persönlichen Kontakten sowie familiären und intellektuellen Verbindungen. Heinrich Petri druckt, ganz nach erasmischer Linie, wissenschaftliche und philosophische Werke seines Stiefvaters Sebastian Münster (1448–1552) Cosmographia universalis (1550), Ptolemaios’ Typus orbis a Ptolemaeus descriptus (1540), Nikolaus Cusanus’ (1401–1464) Opera (1565), und die zweite Ausgabe von Nikolaus Kopernikus’ De revolutionibus orbium coelestium zusammen mit der dritten Ausgabe von Georg Joachim Rheticus’ Narratio prima (1566).66

Eine italienische Ausgabe von Linacres Sphaera-Übersetzung wird von dem italienischen Gelehrten Luigi Vitali (†1554) bei dem Drucker Cynthius Achillinus 1526 in Bologna mit einem Anhang zu den Himmelsphänomenen herausgegeben. Vitali lobt in seinem Vorwort die Griffigkeit der Sphaera, „in der kurz alle Wege und Bewegungen des Ersten Bewegten erkannt werden“.67

4.1.3 Die Übersetzung

Linacre bemüht sich, häufig auftretende Verben wie „werden“ (γἰγνεσθαι), „liegen“ (κεῖσθαι) und „haben“ (ἔχειν) durch Varianten zu ersetzen, um einen abwechslungsreichen Stil zu erzielen. Dabei langweilt er nicht durch Wiederholungen und bemüht sich, unterschiedliche Übersetzungen zu finden, um den Sinn zu treffen und das Lesen zu erleichtern. Für „sie entstehen“ (γίνονται, Kap. 5) verwendet er „sie werden gesehen“ (cernantur) oder „sie werden gehalten“ (habentur, Kap. 5 und 9), für „es wird“ (γίνεται, Kap. 7) nimmt er „es endet“ (efficitur), für „sie haben“ (ἔχουσιν, Kap. 8, auch 15) übersetzt er entweder „sie dienen“ (servant) oder „sie beanspruchen“ (vendicant). Die „Wohngegend“ (οἴκησις) wird bei Linacre zur bedeutungsähnlichen habitatio (Kap. 2), zur „Gegend“ (tractus, Kap. 2) oder zum „Erdkreis“ (orbis, Kap. 8). Linacre schreibt bildhaft und hat einen dichterischen Anspruch. Ein Beispiel für eine Übersetzung mit sanghaftem Sprachrhythmus ist die Umformung des Griechischen, „sie [die Fixsterne] vollführen weder einen Auf- noch Untergang“, zu Lateinisch „sie kennen weder Auf- noch Untergang“ (nec ortum nec occasum norunt, Kap. 2).

Andererseits verfolgt Linacre durchaus die Nähe zur griechischen Vorlage, was ganz dem humanistischen Streben nach antiken Quellen entspricht. So gibt er die astronomischen Termini durch griechische Lehnwörter wieder, darunter die Namen der Sternzeichen Arctophylax, Engonasin, Procyon (Kap. 16) sowie die Begriffe sphaera (Kap. 1), axis (Kap. 1), polus (Kap. 1), colur (Kap. 9), antipodes (Kap. 7) und clima (Kap. 11). Zum Teil bietet er auch eine griechische und eine lateinische Variante an, um das Verständnis des Lesers zu gewährleisten, wie bei „den Polen der Welt“ (poli mundi seu vertices, Kap. 1), „den Parallelkreisen“ (paralleli sive aequidistantes, Kap. 2) und dem Sternbild der „Linien“ (graece lini, latine lineae, Kap. 15).

Linacre konzipiert die Sphaera als Lehrbuch für „Anfänger der Astronomie“ (astrologiae tyronibus).68 Deshalb spricht er die Studenten direkt an („Also da sie für diejenigen, die sich mit der Astronomie vertraut machen sollen, bestimmte Vorteile bringen“; Itaque cum iis, qui primis astrologiae rudimentis imbuendi sunt, certa emolumenta fuggerant) und scheut sich auch nicht, rhetorische Fragen einzufügen: Zu „Warum es nur fünf parallele Kreise in der Sphäre gibt“ dichtet Linacre eine rhetorische Frage hinzu: quis dubitet?, „wer dürfte das bezweifeln?“ (Kap. 3), die sicherlich eine Anspielung auf die formelhafte Sprache des scholastischen Kommentars anspielt.69

Weiterhin bemüht Linacre sich um einen eleganten Sprachstil und die Steigerung des Lesevergnügens, indem er erläuternde Füllwörter einfügt. Beispielsweise übersetzt er ἰσημέριαι als duplex aequinoctium („doppeltes Äquinoktium“) statt schlicht als „zwei Aequinoktien“ (Kap. 2). Die Formulierung duplex wird von einigen Übersetzern wiederholt.

4.2 Die Analyse der anderen Übersetzungen

4.2.1 Der Vergleich mit Linacre

Andere Übersetzer der Sphaera verwenden ähnliche Formulierungen wie Linacre, den sie als Vorlage nehmen. Der lutherische Pastor und ungarische Dichter Martin Thuroczi aus Rákóc (Martinus Rakocius Turociensis) verfasst die einzig bekannte lateinische Versübersetzung von Pseudo-Proklos’ Sphaera in Hexametern (Wittenberg, 1556). Er wird in der Stadt Röaköoc (heute Rakovec nad Oudavou) geboren, von der sein Beiname stammt. Als Vorlage für seine Übersetzung verwendet er ein astronomisches Lehrbuch an der Universität Wittenberg, wo er bei Philipp Melanchthon studiert, wohl Linacres Sphaera-Übersetzung.70 Die Sphaera ist Thuroczis erstes gedrucktes Werk, dem weitere Gedichte folgen. Bei Thuroczi schimmert Linacres Vorlage in einigen Formulierungen durch, die im Folgenden kursiviert werden: „Sie [die Fixsterne] kennen keinen Aufgang“ (nec ortum nec occasum norunt, Kap. 2); „Diesen nennen wir daher auch ,Tropicus‘ mit griechischem Namen“ (Unde et tropico graece nomen, Kap. 2); „Jener soll doppelt [sein]“ (est vero horizon duplex, Kap. 11).

Wie die vorigen Übersetzungen weist Catenas italienische Übersetzung viele Ähnlichkeiten mit Linacres Version auf, mit der sie auch gedruckt wird. So wird Linacres Formulierung paralleli sive aequidistantes zu paralleli, cioè equidistanti (Kap. 2), nostro intellectu (Kap. 3) in Catenas Italienisch zu nostro intelletto und graece lini, latine lineae (Kap. 15) zu lini da Greci, cioè fili, ò linee. Mitunter umschreibt Catena Linacres Ausdrücke mit zwei Begriffen: Für De magnitudine aequidistantium wählt er della quantità e grandezza delli cinque paralleli circoli (Kap. 5) und für De signifero übersetzt er i segni, cioè la eccliptica (Kap. 11).

Bei Scandianese (1556) gleicht eine rhetorische Frage der Formulierung des Linacre (Kap. 3): „Wenn sie also denen, welche die ersten Prinzipien der Astronomie lernen wollen, größten Nutzen bringen, wer bezweifelt, dass sie verdientermaßen in der Sphäre platziert worden sind?“ Nah an Linacre orientiert sind auch folgende Sätze: die Formulierung „der doppelte Horizont“ (Kap. 11), „der Horizont liebt die Ruhe“ (Kap. 11); „Von den Griechen werden sie ,Bänder‘ (lima) [richtig: λίνα (lina)] und von den Lateinern ,Linien‘ (linee) genannt“ (Kap. 15:). Dieser Fehler bezeugt Scandianeses mangelnde Griechischkenntnisse. Wo es möglich ist, verwendet Scandianese Wörter desselben Stammes als Polyptoton wie bei Linacre, darunter „von der Logik der Sphäre abweichend“ (abhorrevole; abhorret, Kap. 11) und „Von der Macht der Parallelkreise“ (potestade; potestas, Kap. 7). Auch Danti (1573) scheint sich in seiner italienischen Übersetzung an Linacres lateinischer Version zu orientieren, obwohl er in der Widmung schreibt, dass er die Sfera aus dem Griechischen übersetzt habe. In Kap. 7 übersetzt Linacre „Macht“ als potestas, Danti als potenza; in Kap. 11 steht Linacres sphaerae ratione gegenüber Dantis ragione sferica, in Kap. 14 determinatur gegenüber determinante. Aus graece lini, latine lineae (Kap. 15) macht Danti si chiamano lini, cioè corde.

Henisch (1575) verwendet Linacres Übersetzung in der korrigierten Version von Basel (1523) als Grundlage, denn er übernimmt die dort vorgenommenen Korrekturen „zweimal 182 parallele Kreise“ aus Kap. 2 und die Unsichtbarkeit des Canopus in Alexandria aus Kapitel 15. Seine Nähe zu Linacre ist erkennbar in Formulierungen wie merito (Linacre: non immerito, Kap. 3), lini sive lineolae (Linacre: graece lini, latine linaeae, Kap. 15) und σύνδεσμος sive nodus (Linacre: graece syndesmos, latine nodus, Kap. 15). Gleichzeitig übersetzt Henisch aber schlichter als Linacre, z. B. schreibt er statt der rhetorischen Frage „Wer sollte das bezweifeln?“ (quis dubitet?), mit der Linacre das griechische Adverb εὐλόγως („begründet“) übersetzt: „Man kann nicht übergehen“ (nec praetermitti potuere, Kap. 3). Anschaulicher als Linacre formuliert Henisch „Von den geformten Sternen am Himmel“ (De signis in coelo formatis, Kap. 15) statt „Über die Himmelszeichen“ (De signis caelestibus) bei Linacre. Bainbridge verwendet, um den „im Geiste gezeichneten“ Charakter der Kreise zu betonen, Abwandlungen von linea (Kap. 3): nostroque intellectu delineatos paralleles [erg.: circulos] (S. 6); Hi omnes in Sphaera delineandi sunt (S. 7).

Viele Bearbeiter des Linacre übersetzen schlichter, weniger elegant und näher am Griechischen als dieser. Anonymus Monacensis versucht die Übersetzung verständlicher zu machen durch Umschreibungen für die „Dioptra“ („Instrument der Strahlen“, Kap. 2), die „Astronomie“ („Kenntnis der Lehre von den Sternen“, Kap. 3) und die „Macht der parallelen Kreise“ („Fähigkeit“, Kap. 7). Vinets zweite lateinische Übersetzung b ist dem griechischen Text näher (1547) als die erste a (1543); z. B. übersetzt Vinet δύναμις („Kraft“) nicht mehr mit ratio („Vernunft“), sondern mit vis („Kraft“, Kap. 7) und für περιφέρια (Kap. 9) verwendet er das griechische Lehnwort peripheria statt circumferentia. Für σφαῖρα schreibt er sphaera statt globus und für ἡμισφαίριον hemisphaerium statt dimidia pars (Kap. 11).

Der Nürnberger Humanist Willibald Pirckheimer, ein Freund Albrecht Dürers und der Berater Kaiser Maximilians I. (1459–1519), bereitet eine partielle Übersetzung der Sphaera zusammen mit einer revidierten Ausgabe von Ptolemaios’ Geographie vor, die jedoch nie im Druck erscheinen wird.71 Sie ist in einer Handschrift von 1526–1530 enthalten,72 die Pirckheimers Korrekturen enthält; z. B. korrigiert Pirckheimer „192“ zu „zweimal 182“ parallelen Kreisen (Kap. 3).73 Pirckheimer mag sich sowohl am griechischen als auch lateinischen Text von Linacre orientieren, da er in Italien oder Paris, wo Linacres Übersetzung gedruckt wird, studiert.74 Pirckheimers Übersetzung bricht mitten im letzten Kapitel ab (Bl. 4r, Z. 3), enthält aber zwei Kapitel, die sich nicht in der Sphaera befinden. Zu Kap. 4 integriert Pirckheimer einen Abschnitt über die Ungleichheit der Tage und Nächte. Diese Änderungen, Streichungen und Ergänzungen sollen die Sphaera, wie Holzberg schreibt, mit Ptolemaios’ Geographie in Einklang bringen:75 Pirckheimer beabsichtigt, eine sinngemäße Revision von Linacres Übersetzung anzufertigen,76 die vom Ausdruck und Inhalt exakter und verständlicher ist als jene des Linacre77: „das ein jeglicher derselben sprach verstendig / das so verkert ist leichtiglich versteen mag.“78 Er übersetzt nah am Griechischen, während er sich in den deutschen Übersetzungen mehr Freiheiten erlaubt.79

Auch Salisbury möchte den Sphaera-Text deutlicher gestalten. Er übersetzt sie nach Linacres lateinischer Vorlage ins Walisische in dem Bestreben, sich an der Bewegung der „Neuen Lehre“ zu beteiligen. Den Titel des Werkes umschreibt er als The Descripcion of the Sphere or Frame of the Worlde (1550) bzw. „Die Beschreibung der Sphäre oder des Rahmens der Welt“. Gemeint sind die Erd- und die Himmelssphäre, die diese Bereiche auch begrenzen. Die Bezeichnung „Rahmen der Sphäre“ (frame of the sphere) verwendet Salisbury auch in Kapitel 11 über den Horizont, der seinen Platz im „Rahmen“ bzw. Horizontring des Globus oder der Armillarsphäre hat. Am Ende der Widmung übersetzt Salisbury angepasst an den christlichen Leser die Sphaera als „wunderbar göttliche und heilige Fabrikatur der Welt“ (of wonderfull goodly, and deuyne fabricature of the world). Hier lobt er auch seinen Widmungsadressaten als gelehrt im Lateinischen und in der Mathematik.

Der Reihe verständlicher Übersetzungen schließt sich die Version des Johannes Lauremberg (1611) an, der einfacher, eindeutiger und bildlicher als Linacre übersetzt und auch das Griechische betrachtet; z. B. bezeichnet er die „Pole“ nicht wie Linacre als poli mundi seu vertices, sondern als poli mundi (Kap. 1). Ferner übersetzt Lauremberg den Titel von Kapitel 4 schlicht mit „Über das Auf- und Untergehen der Parallelkreise“ (De ortu et occasu circulorum parallelorum), Linacre dagegen mit „Über das Verbergen und Emporkommen der Parallelkreise“ (De occultatione et emersu aequidistantium).

Eine schlichte und unliterarische Variante stellt Bainbridges Übersetzung (1620) dar, die auch den Halbsatz ergänzt, der am Anfang der Sphaera bei Linacre fehlt: „Da die Welt zu einer sphärischen Gestalt gerundet wird [...]“ (Ἀξων καλεῖται, ἡ διάμετρος τοῦ κόσμου, περὶ ἣν στρέφεται (ὁ κόσμος), Kap. 1). Auch wird der Satzteil „eine größere Breite“ (μείζονι πλάτει, Kap. 13, S. 27) ergänzt. Bainbridge übersetzt schlicht „Der Horizont aber ist von Natur unbeweglich“ (Kap. 11, S. 25), während Linacre poetisch schreibt: „Der Horizont liebt von Natur die Ruhe“. Bainbridges Übersetzung ist mit Abbildungen der Kreise auf dem Globus versehen, die dreidimensional und vereinfacht die Himmelskreise zeigen, welche in den Kapiteln der Sphaera thematisiert werden. In der Formulierung duplex vero est horizon (Kap. 11) scheint sich Bainbridge ebenfalls an Linacres Übersetzung anzulehnen.

4.2.2 Poetischer Stil

Thuroczi bemüht sich um einen besonders eleganten Stil. Auf poetische Weise gibt er in seiner Elegie, die er dem lutherischen Pastor Valentin Wagner (Lebensdaten unbekannt) widmet,80 den Inhalt der Sphaera wieder: „Nimm an den Proklos, der in lateinische Verse übersetzt wird, mein Wagner, du Vorstand des apollonischen Chores; es erzählt dir vom Himmel und den Wegen der kunstreichen Welt, und dem Lauf verschiedener Sterne;“81 „So bin ich Proklos mit neuem Anfang gefolgt, und habe meine Muse durch die schönen Sterne geführt.“82 Die Übersetzung steht ganz im humanistischen Geist, denn der Hexameter ist das Standardversmaß antiker Lehrdichtung, z. B. bei Arat und Manilius. In dichterischer Manier verwendet Thuroczi poetische Ausdrücke wie „Dach der Welt“ (culmina mundi) für die „Pole“ (Kap. 2) und „Begrenzer“ (finitor) für den „Horizont“ (Kap. 11). Die Teilung des Sommerwendekreises durch den Horizont in den Wendepunkten beschreibt Thuroczi poetisch mit: „Fünf [Teile] lässt [der Horizont] oben bei den Göttern, drei verbirgt er unten im dunklen Tartaros. Hier (= am Wendepunkt) zeigt Phoebus (= die Sonne) die wechselseitigen Rückwege an“ (Kap. 4).83 Auch der Titel stellt eine humanistisch-poetische Übersteigerung dar, indem Thuroczi Pseudo-Proklos’ Sphaera einem Heldengedicht wie Homer gleichsetzt: „Das Büchlein von der Sphäre des Proklos Diadochus, aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt, in einem heroischen Gedicht von Martin Rakocius Thuroczi“.84 Bei den verschiedenen Übersetzungen wechseln die Versmaße in den Arat-Versen vom hexametrischen Versmaß in den lateinischen Übersetzungen (wie im griechischen Original) zu Jamben, Daktylen und Spondeen in den italienischen, französischen und englischen Übersetzungen. Auch variieren die anderen Übersetzungen in ihren Ausdrücken. Der Tierkreis, gewöhnlich zodiacus, wird mitunter bei Linacre, Anonymus Monacensis (um 1540), Tito Giovanni Scandianese, Martin Thuroczi und Henisch als signifer („zeichentragend“) übersetzt. Die „Milchstraße“, gewöhnlich circulus lacteus genannt, heißt bei William Salisbury „cyrcle galaxias“. Besonders poetisch ist die Wiedergabe der „Sommerwenden“ (θέρεος τροπαί) als „Kraft der Unterwelt“ (vis inferna) bei Anonymus Monacensis (1540) oder als „Rückkehr des Phoebus Apollo“ (Phoebi reditus) bei Thuroczi (1556); ähnlich formulieren Scandianese, Catena und Bainbridge. Vinet übersetzt die astronomischen Begriffe bildlich. Er schreibt „mettre et asseoir les estoiles et signes en leurs lieux en la Sphaire“ (Vinet 1573, 11) für „bestirnen“ (καταστερίζω), boule für Lateinisch globus und sphaire für „Armillarsphäre“ in dem Satz „un instrument de cercles de bois, de leito, d’argent, ou autre telle matiere, entrelassés ensemble, en forme d’une boule [...]“ (Kap. 1, S. 5).

Scandianese wirbt in einer Praeteritio ausdrücklich für seine Qualitäten als Übersetzer: „Ich werde nicht sagen, wie treu ich mich bemüht habe, sie zu übersetzen, weil ihr selbst Zeugen dessen seid.“85 Scandianeses Übersetzung La Sfera di Proclo wird 1556 von Gabriel Giolito de’ Ferrari in Venedig (aktiv 1536–1606) gedruckt, der zu dieser Zeit (Mitte der 1550er Jahre) infolge des tridentinischen Konzils weniger provokative und anrüchige Werke wie Dichteranthologien herausgibt, sondern christliche Werke wie die beliebten Texte des italienischen Franziskaners Cornelio Musso (1553), die Schriften des spanischen Inquisitors Antonio de Guevara (1555) und diejenigen des spanischen Dominikaners Luis de Granada (1504–1588; Werk: 1556).86 Die Sphaera gilt der Inquisition offenbar ebenfalls als unauffällig.87 Andere griechische Autoren, die Scandianese für die Studenten ins Italienische übersetzt hat, sind der Sophist Philostratos und der Rhetor Kallistratos (3./4. Jh. n. Chr.). Scandianese zeigt also eine Vorliebe für elegante griechische Texte.

4.2.3 Kapitelnamen und Begriffe

Die Übersetzungen von Pseudo-Proklos’ Sphaera haben die Tendenz, durch Umschreibungen den Inhalt zu verdeutlichen, z. B. in den Kapitelüberschriften. In einigen Formulierungen wird Linacres Übersetzung nachgeahmt, aber meist verwenden die Übersetzer neutralere und weniger poetische Wörter, mit Ausnahme von Thuroczis Versübersetzung. Die Kapitel von Vinets französischer Übersetzung sind nicht nummeriert wie in den lateinischen Ausgaben, und mitunter umschreibt Vinet die Kapitelnamen in „Ce qui se monstre des cinq paralleles: et ce qui en demeure caché“ (Kap. 4); „Quelle distance il y a entre les cinq cercles paralleles“ (Kap. 8). Bainbridge macht Ergänzungen zu den Kapitelnamen, um das Verständnis zu erleichtern, z. B.: „Von den Kreisen [, die in der Sphäre beschrieben werden]“ (Kap. 2), „Von den Zonen [, die auf der Erde beschrieben werden]“ (Kap. 14). Der Anonymus Monacensis nennt bereits in den Kapitelnamen Definitionen der Bestandteile des Kosmos, z. B. in Kap. 1: „Von der Achse und ihren äußersten Punkten, die wir Pole nennen“, Kap. 10: „Vom Tierkreis, d.h., der die Tierzeichen enthält“ und Kap. 15: „Von den fünf parallelen Gürteln, die man Zonen nennt.“

Dass die Begriffe astronomia und astrologia in der frühen Neuzeit austauschbar für die gesamte Lehre von den Sphären, Himmelskörpern, ihren Bewegungen (Astronomie) und deren Auswirkungen auf die Erde und den Menschen (Astrologie) verwendet werden,88 lässt sich in den Übersetzungen von Pseudo-Proklos’ Sphaera bestätigen. Den griechischen Begriff ἀστρολογία übersetzen Linacre, Vinet, Scandianese, Salisbury, Anonymus Monacensis, Bainbridge, Pirckheimer, Thuroczi und Lauremberg mit astrologia; mit astronomia dagegen Henisch, Catena und Danti.

In seiner französischen Übersetzung findet Vinet neue anschauliche Begriffe für die lateinischen Varianten. Das Wort δύναμις übersetzt Vinet in der a-Übersetzung als ratio, in der b-Version als vis, wiederum als effect (Kap. 7) in der französischen Übersetzung. Für σφαῖρα schreibt er in der a-Version globus, in der b-Version sphaera und Französisch boule (Kap. 11). Scandianese umschreibt die griechischen Bezeichnungen für „Tierkreis“ und „Koluren“ zum besseren Leseverständnis mit „Über den Tierkreis, der Zodiacus genannt wird“ (Kap. 10) und „Über die Kreise, die ,Koluren‘ genannt werden“ (Kap. 9).

Fußnoten

Vgl. Lowry 1979, 283.

Zu Linacres Leben vgl. Maddison 1977, XLIX–LIII; Rice 1980, 156–157; Todd 2003, 26–33.

Vgl. Lowry 1979, 111; Pettegree 2011, 60.

Vgl. Götze 2010, 177.

Id ita sit nec ne sunt mihi grauissimi testes in tota fere Italia, et praecipue Venetiis Thomas Anglicus, homo et graece et latine peritissimus, praecellensque in doctrinarum omnium disciplinis, vgl. Aristoteles 1497, iir.

Zu Arthur vgl. Gairdner 1993; Horrox 2004; Gunn 2009.

Vgl. Todd 2003, 26.

Erasmus’ Brief ist zu finden in Allen 1938, 108, Z. 65–74, Nr. 2422.

Vgl. Allen 1938, 107, Z. 43–45, Nr. 2422; Todd 2003, 26.

Vgl. Starkey 2009, 122–124.

Vgl. Starkey 2009, 42.

Zu den Briefen zwischen Linacre und Erasmus vgl. Allen 1906–1958, Brief 194, 415, 1230.

Vgl. Parks 1954, 477–478.

An Linacre schreibt die Universität Oxford 1521 einen Brief, in dem sie sich für seine Übersetzung von Proklos bedankt, die Lupset als Grundlage für seine Vorlesungen in Oxford nimmt. Lupsets lateinischer Brief an Linacre (Oxford, Bodleian Library, Bodley 282, Bl. 44v) ist zu finden in Madan 1922, Nr. 2949, in englischer Übersetzung bei Johnson 1935, 180–182.

Vgl. Todd 2003, 29.

Vgl. Clark 1964, 45.

Zu Linacres Übersetzungen ins Lateinische gehören außerdem De sanitate tuenda (Paris, 1517), Methodus medendi vel de morbis curandis libri quatuordecim (Paris, 1519), De temperamentis et de inaequali intemperie (Cambridge, 1521), De pulsuum usu (London, 1522), De naturalibus facultatibus (London, 1523), De symptomatum differentiis liber unus. De symptomatum causis libri tres (London, 1524), Paulus Aeginetas’ De crisi et diebus decretoriis (Paris, 1528).

Vgl. Griffiths 1888, 34; Gibson 1931, 378, 389.

Vgl. Infelise 2007.

Qui utinam et Simplicium in Aristotelis Physica, et in eiusdem meteora Alexandrum, quos nunc summa cura latinos facit, ad me dedisset, ut et illos una cum Proclo ad te mitterem, vgl. Linacre 1499.

Zum Inhalt der editio princeps vgl. Renouard [1834] 1991, 20–21.

Vgl. Evans’ Kommentar zu seiner Übersetzung, Evans 2006, ad loc.

Vgl. Orlandi 1975, 329; Gairdner 1993, 603; http://www.treccani.it/enciclopedia/pio-di-carpi-alberto/, besucht am 2.08.2019; Heyden-Rynsch 2014, 30.

Cum igitur superioribus diebus curassem imprinenda Arati Phaenomena cum Theonis enarratione, visum est illis adiungere Procli Sphaeram, et eo magis, quod ea Thomas Linacrus Britannus docte, et eleganter latinam nuper fecerit, admeque nostris excudendam formis miserit. Zur lateinischen Transkription in Auszügen vgl. Todd 2003, 26–27; zur französischen Übersetzung vgl. Firmin-Didot 1875, 129–131; zur italienischen Übersetzung mit Anmerkungen vgl. Orlandi 1975, 216, 329.

Vgl. Heyden-Rynsch 2014, 117f..

Vgl. Todd 2003, 26.

Vgl. Todd 2003, 26.

Rediit in Britannia nuper amicus meus summus, idemque tuus Alde humanissime Thomas Linacrus. Zu William Grocyn und Linacre vgl. Burrows 1890, 319–380; zu Grocyns Brief an Manutius vgl. Chrisholm 1910; Burrows 1890, 350–353. Für die lateinische Transkription der Widmung von Grocyn in Auszügen vgl. Todd 2003, 27.

Vgl. Clark 1964, 43.

Vgl. Todd 1993.

Kap. 10 (9): συμκέβηκεν statt συμβέβηκεν; Kap. 9 (8): De intervallo aequidistantium: διοὶ παντός statt διὰ παντός; Kap. 15 (14): πορρώτη τι statt πορρώτατα; Kap. 16 (15): κυφούς statt κηφεύς, vgl. Linacre 1499.

Κατὰ τὴν πρὸς τὸν λόγον ἀκρίβειαν, ἅμα τῷ στιγμιαῖαν πάροδον γίνεσθαι, καθ’ ὁποιονοῦν μέρος τοῦ κόσμου μεταπίπτει καὶ ὁ ὁρίζων καὶ τὸ ἔγκλιμα καὶ πάντα τὰ φαινόμενα διάφορα. (Besser: Κατὰ τὴν πρὸς τὸν λόγον ἀκρίβειαν, ἅμα τῷ στιγμιαῖαν πάροδον γίνεσθαι, καθ’ ὁποιονοῦν μέρος τοῦ κόσμου, μεταπίπτει καὶ ὁ ὁρίζων καὶ τὸ ἔγκλιμα καὶ πάντα τὰ φαινόμενα διάφορα, vgl. Linacre 1499, Kap. 12 (11).

Vgl. Schmitt 1977, 69.

Vgl. Botfield 1861, 197–200.

Vgl. Heyden-Rynsch 2014, 88.

Zur Interpretation des Sprichworts vgl. Firmin-Didot 1875, 130.

Vgl. Orlandi 1975.

Quod cum ipse Linacrus noster, acri vir iudicio percenseret, Arcturo Principi suo, hoc a se tralatum opusculum nuncupavit, quod adolescens ille bonarum literarum studiosus astrologiae operam daret, vgl. Linacre 1499.

Vgl. Parks 1954, 462–463.

Vgl. Fumaroli 1988, 149.

Zur französischen Übersetzung der Widmung von Linacre an Arthur vgl. Firmin-Didot 1875, 129–131; zur italienischen Übersetzung mit Anmerkungen vgl. Orlandi 1975, 216, 329.

Feci itaque tibi e graeco latinum Proclum de Sphaera disserentem. non quod antea latine de ea proditum etiam ab homine nostrate non sit, sed quod multo certe melius a Proclo, vgl. Linacre 1499.

[Procli Sphaera] adiumenti praestabit, vel ad poetarum lectionem (cui te incumbere miro iam successu coepisse intelligo) vel ad celebrium locorum situs, naturaeque cognitionem, vgl. Linacre 1499.

Neque enim ea cognitio alia ratione parabilis est praesertim tibi, cui per occupationes regni, peragrare orbem minime licebit, quod ex iis libris, qui prorsus intelligi sine sphaerae notitia non possunt, vgl. Linacre 1499.

Vgl. Omodeo 2012.

Vgl. Kathe 2002, 2.

Vgl. Lindgren 1992, 6.

Vgl. Rüegg 1996, 458.

Sed nunc Proclum ipsum, si libet loquentem audies, perinde tamen ac si in Graecia esset. Ad cuius certe horizonta sphaeram pinxit, vgl. Linacre 1499.

Quos eo libentius Arcture decus commemoravi, ut intelligas maximos principes, quorum gloriam te non solum aequaturum, sed etiam superaturum auguror, huiusce modi studiis fuisse delectatos, vgl. Linacre 1499.

Wittenberg, 1502; Reggio Emilia, 1503; Krakau, 1512; Köln, 1515; London, 1522.

Vgl. Linacre 1499: Hanc [Sphaeram] inclyte Princeps tua occasione legent studiosi. Leges et tu.

Vgl. Venedig, 1499; Ulm, 1499; Wittenberg, 1502; Reggio Emilia, 1503; Leipzig, 1503; Paris, 1508–16; Wien, 1511; Krakau, 1512; Köln, 1515; Köln,1517; ohne Ort, vor 1520; London, 1522; Basel, 1523; Bologna, 1526; Basel, 1534; Paris, 1534; Tübingen, 1534; Basel, 1535; Basel, 1536; Wittenberg, 1538; Paris, 1538; Straßburg, 1539; Paris, 1542; Paris, 1543; Leipzig, 1543; Köln, 1543; Paris, 1544; Basel, 1547; Paris, 1547 bei Jacob Bogard (†1548); Paris, 1547 bei Christians Wechelus; Antwerpen, 1547; Basel, 1549; Marburg, 1549; Antwerpen, 1553; Paris, 1553; Paris, 1556; Paris, 1560; Basel, 1561; Paris, 1562; Padua, 1565; Basel, 1570; Venedig, 1570; Paris, 1578 bei Gulielmus Julianus; Paris, 1578 bei Johannes Parant; Wroklaw, 1579; Basel, 1582; Leipzig, 1584; Basel, 1585; Heidelberg, 1589; Wittenberg, 1591; Leipzig, 1600; Basel, 1600; Helmstedt, 1661; Lyons, 1608; Cambridge, 1861.

Vgl. Kathe 2002, 12–13.

Vgl. Ridder-Symoens 1996, 339.

Vgl. Grossmann 1975, 48.

Vgl. Lülfing 1979.

De signis et nominibus illorum, quae apud diversos autores sparsim memorata sciremus, visum fuit initio et priusquam ad demonstrationem usus instrumenti nostri acceremus, exponere, non inutilem studiosis, vgl. Linacre 1538.

Si quasi coeli quandam historiam percurrissemus, ad coeli templa iter demonstrantes, vgl. Linacre 1538.

Nos Zodiacum primum explicabimus, quo quidem loco, et quid polum vocemus et quomodo Sphaera distingui soleat, et quare illae stellationes adest, ἀστερισμ[ο]ί signa dicantur, praefari placuit, vgl. Linacre 1538.

Vgl. Zedler o.D.; Classen 1861; Lerner 1994.

Habebis igitur studiose iuvenis brevissimum enchiridion, ex quo eadem opera Geographiae Astronomiaeque rudimenta, atque linguam Graecam commode ac breviter discere licebit, vgl. Linacre 1523.

Proclus igitur, qui artis huius elementa tradere videtur, primo constitutus loco est. Subsequitur hunc Cleomedes, qui praeter exactam mundi divisionem et descriptionem, quaedam paulo plenius ac angustius pertractat: Utpote, An mundus sit finitus, quod extra mundum sit inane infinitum. Praeterea de Paroecis, Antoecis, et Antipodibus, exactius quam primus absolvit: De varia item temporum ac tempestatum, pro zonarum varietate, mutatione. In libro deinde secundo, de terrae, lunae, solis, ac aliorum quorundam planetarum magnitudine: Tum quae eorum ad solem vel vicinitas, vel distantia. Quoniam vero bona adhuc artis huius pars ambobus his deesset, ea nempe quae varias illas constellationum figuras, varia animalia non sine arcana quadam ratione referentes docet, Aratus, qui suam quoque his operam praestaret, accessit, cum sua de his siderum formis compositione longe pulcherrima utilissimaque, quam φαινόμενα inscripsit: De cuius partis utilitate atque praestantia vix quisquam unquam satis dixerit. Postremo quia Geographia ita cum Astronomia est coniuncta, ut quemadmodum haec sine illa perfecta non est, ita illa sine hac nec sciri, nec intelligi recte possit: Usus praeterea astronomiae fere praecipuus in Geographia cernitur: Celeberrimum eius rei authorem Dionysium de orbis situ his subiungere quarto loco haud inconsultum nobis visum est, ita ut studiosi adolescentes eam absolutam ac consummatam veluti artem, secundum veterum Graecorum traditionem haberent, vgl. Pseudo-Proklos 1547.

Vgl. Pseudo-Proklos 1561, a2r–a6r; Todd 2003, 45.

Zu Johann und Hieronymus Froben und Heinrich Petri vgl. Reske 2007, 63f.; 70f..

In qua breviter omnes primi mobilis passiones, et motus dignoscuntur, vgl. Linacre 1526.

Vgl. Pantin 1995, 38; Todd 2003, 15, Anm. 54.

Vgl. Paulus 2005, 96.

Vgl. Todd 2003, 35.

Vgl. Pirckheimer 1526–1530, 1r–4r; Holzberg 1981, 334–337.

Vgl. Todd 2003, 33.

An drei Stellen verbessert er seine Übersetzung, vgl. Pirckheimer 1526–1530, 1r zu Z. 14; 2r zu Z. 13; 3r zu Z. 20–21, zitiert nach Holzberg 1981, 334.

Vgl. Holzberg 1981, 375.

Pirckheimers handschriftliche Änderungen an seiner eigenen Übersetzung zählt Holzberg 1981, 334–339 auf.

Vgl. Todd 2003, 33.

Vgl. Holzberg 1981, 335.

Brief Pirckheimers an Johann von Schwarzenberg (1463–1528; Ardl. 503, 59v–60v).

Pirckheimer übersetzt christliche und nicht-christliche Autoren ins Lateinische und Deutsche, darunter Äsop (6. Jh. v. Chr.), Euklid, Homer, Platon, Aristoteles, Galen, Ptolemaios, also literarische und nicht-literarische Texte. Seine Sphaera wird nie gedruckt; im Druck erscheint zu Pirckheimers Lebzeiten nur seine deutsche Übersetzung von Pseudo-Isokrates (1525); vgl. Holzberg 1981, 235; 372–375.

Vgl. Todd 2003, 35.

Accipe deductum Romana in carmina Proclum,/ O Vagnere chori praeses Apollinei:/ Hic tibi solerti coelos, mundique meatus,/ et varium astrorum commemorabit iter, vgl. Thuroczi 1556, Aiiir.

Sic ego vel, Proclum ceu licia certa secutus,/ deduxi musam pulcra per astra meam, vgl. Thuroczi 1556, Aiiiv.

Quinque dabit superis, nigra tres sub tartara condet,/ Hic Phoebi reditus alternos indicat idem, vgl. Thuroczi 1556.

Libellus de sphaera Procli Diadochi, ex graeco latinus factus carmine heroico, a Martino Rakocio Tyrociensi, vgl. Thuroczi 1556.

„Io non dirò quanto fedelmente mi sia affaticato tradurla, perche voi stesso me ne sete testimonio vero“, vgl. Scandianese 1556b.

Vgl. Braida 2000, 81–82, 121–122; Pettegree 2011, 225.

Vgl. Riccioni 1999.

Zum Quadrivium vgl. North 1993, 312–313.